Schwester Maria Bernardis ND 4249 PDF Download
Maria VERHOOLEN
Maria Regina Provinz, Coesfeld, Deutschland
Datum und Ort der Geburt: 04. März 1930 Issum, Kr. Kleve
Datum und Ort der Profess: 12. August 1953 Mülhausen
Datum und Ort des Todes: 27. März 2025 Mülhausen, Haus Salus
Datum und Ort der Beerdigung: 02. April 2025 Mülhausen, Schwesternfriedhof
„Selig, die bei dir wohnen, Herr, die dich loben alle Zeit.“ Psalm 84,5
Dieses Lied sangen wir in einer Vesper für die Verstorbenen, als wir gleichzeitig die Nachricht vom Tod von Schwester Maria Bernardis erhielten. Es war ein Gesang aus den vielen Gottesdiensten, die Sr. M. Bernardis für unsere Gemeinschaft zusammengestellt hatte, und er spiegelt die Spiritualität, Lebens- und Glaubenskraft wider, die ihr Leben prägten. Diese Freude am Lob Gottes aus der Erfahrung seiner Güte und Fügungen in ihrem Leben empfand Sr. M. Bernardis als kostbares Gut, das ihr bereits im Elternhaus geschenkt worden war. Dort wurde musiziert, gefeiert, gedichtet, gesungen, gemalt, Theater gespielt – auch als Kraftquelle in schweren Situationen, wie die Bedrohungen in der Zeit der Hitler-Diktatur und des Zweiten Weltkriegs, in der auch ihre Heimat zum Kriegsschauplatz wurde.
Maria Verhoolen gehörte zu den ersten Schülerinnen der Liebfrauenschule Mülhausen, die im Herbst 1945 wiedereröffnet wurde, nachdem sie von den Nazis 1940 konfisziert und zum Kriegslazarett umgewandelt worden war. Immer wieder und dankbar erinnerte sich Sr. M. Bernardis an diese Zeit des Aufbruchs und neuer Lernmöglichkeiten. Besonders prägend war es für sie, mitzuerleben, wie die Schwestern in Schule und Internat unter Einsatz all ihrer Kräfte bemüht waren, den jungen Menschen fundierte Lebensperspektiven zu vermitteln. Für Sr. M. Bernardis war es ein besonderes Geschenk, dass ihre großen Begabungen in den Bereichen Musik, Kunst und Sprache gefördert wurden. Die Erfahrungen, gemeinsam mit den Schwestern die geistigen Verwirrungen der Naziherrschaft hinter sich zu lassen und die große wirtschaftliche Not der Nachkriegszeit zu bestehen, waren sicherlich ein wichtiger Grund, warum Maria nach dem Abitur in unsere Ordensgemeinschaft eintrat. Sie hatte erfahren können, dass Gott dem entgegenkommt, der sich auf den Weg der Gottsuche begibt.
Nach der Ausbildung in Kirchenmusik – besonders für Orgel – und nach dem Studium in Deutsch, Französisch und Philosophie für Gymnasien begann Sr. M. Bernardis 1967 ihre Lehrtätigkeit in der St. Lioba Schule in Bad Nauheim. Sie war eine leidenschaftliche Lehrerin, die sich für eine umfassende Bildung ihrer Schülerinnen einsetzte und über den Unterricht hinaus Freizeit- und Ferienunternehmungen organisierte. Mit Unterstützung des Schulpfarrers plante sie Israel-Studienfahrten und konnte diese Reisegruppen im Heiligen Land für die Botschaft Christi begeistern. Hier wuchs vermutlich auch ihre Sehnsucht, bis zu den Wurzeln unseres Glaubens vorzudringen, wozu sie später auch die hebräische Sprache erlernte.
Als 1994 die Kommunität in Bad Nauheim aufgelöst wurde, kam Sr. M. Bernardis ins Provinzhaus nach Mülhausen und unterrichtete noch einige Jahre in der Liebfrauenschule. Sie blieb weiterhin kreativ, z.B. eröffnete sie auf dem Klostergelände einen „Eine-Welt-Laden“, in dem sie Produkte aus dem fairen Handel anbot. Sie folgte der Bitte einiger Sängerinnen aus Oedt, mit ihnen einen Singkreis zu gründen, der regelmäßig im Kloster probte und in Gottesdiensten und bei Familienfeiern auftrat. Vorrangig war sie zuständig für die Gestaltung der Liturgie in der Provinzhauskommunität und der Schulgemeinschaft. Für die nicht wenigen großen Feiern und Festlichkeiten bei Zusammenkünften der Provinz lieferte sie Ideen und engagierte sich zur Freude aller bei der Programmgestaltung.
„Die Sache Jesu braucht Begeisterte“ – dieses Lied sang Sr. M. Bernardis; ihre Begeisterung weckte Begeisterung. Sie war ein Geschenk Gottes für unsere Ordensgemeinschaft und für die Vielen, denen sie Mitschülerin, Mitschwester, Kollegin, Weggefährtin und Freundin war.
In den letzten Lebensjahren nahmen ihre geistigen und körperlichen Kräfte immer mehr ab, und man spürte, wie sie in ihrer großen Hinfälligkeit innerlich zur Ruhe gekommen war. Am 27. März ist sie angekommen an den „Quellen des Heils“: Selig, die bei dir wohnen, Herr, die dich loben allezeit.